Kaum ein Format hat die Fitnessszene der vergangenen Jahre so verändert wie Hyrox. Was 2017 als Idee in Hamburg begann, füllt heute Messehallen rund um den Globus und hat den Begriff „Hybrid-Training“ in vielen Fitnessstudios etabliert. Doch was genau steckt hinter dem Format, wie sieht die aktuelle Studienlage aus – und ist Hyrox wirklich mehr als nur ein weiterer Trend?
Was ist Hyrox überhaupt?
Hyrox ist ein Fitness-Wettkampf, der in der Halle ausgetragen wird: Du läufst acht Mal einen Kilometer und absolvierst nach jedem Lauf eine von acht Workout-Stationen – vom Schlittenschieben bis zu 100 Wall Balls zum Abschluss. Die Reihenfolge ist immer gleich: SkiErg, Sled Push, Sled Pull, Burpee Broad Jumps, Rudern, Farmers Carry, Sandbag Lunges und Wall Balls, jeweils unterbrochen von einem Kilometer Laufen.
Gegründet wurde Hyrox 2017 in Hamburg vom Event-Unternehmer Christian Toetzke und dem zweifachen Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste. Vorbild waren Massensport-Events wie Stadtmarathons – übertragen auf die Welt des funktionellen Trainings.
Ein wesentliches Merkmal ist die Standardisierung: Strecken, Gewichte und Übungen sind weltweit identisch, deshalb lassen sich Zeiten aus unterschiedlichen Städten direkt vergleichen. Neben dem Einzelstart gibt es weitere Formate: Im Doubles-Wettbewerb laufen zwei Athlet:innen alle acht Kilometer gemeinsam und teilen sich die Arbeit an den Stationen. Dazu kommen Mixed-Doubles- und Staffel-Varianten sowie verschiedene Alters- und Leistungsklassen. Das macht das Format für Einsteiger:innen ebenso zugänglich wie für ambitionierte Athlet:innen.
Für die Wettkampfdauer gibt es grobe Richtwerte: Je nach Leistungsniveau liegt die Zeit meist zwischen rund 60 und 90 Minuten, ambitionierte Athlet:innen sind schneller, Einsteiger:innen oft etwas langsamer. Beim ersten Mal gilt: Durchkommen ist das Ziel, nicht die Bestzeit.
Vom Nischenformat zum globalen Massenphänomen
Die Wachstumszahlen von Hyrox gehören zu den auffälligsten der jüngeren Fitnessbranche. Das erste Rennen fand 2018 in Hamburg mit rund 600 Teilnehmenden statt. In der Saison 2023/24 waren es bereits mehr als 175.000 Athletinnen und Athleten bei über 65 Rennen. Für das Kalenderjahr 2025 plante Hyrox knapp 110 Events mit rund 850.000 Teilnehmenden, der Umsatz wurde auf etwa 130 Millionen Euro geschätzt. In der Saison 2025/26 nahmen nach Unternehmensangaben mehr als 1,5 Millionen Menschen teil. Weltweit sind inzwischen Tausende Fitnessstudios als offizielle Trainingspartner lizenziert. Die Weltmeisterschaft 2026 fand im Juni in Stockholm statt.
Das Teilnehmerfeld ist breit gemischt: Gewertet wird in Altersklassen bis 60+, was das Format auch für ältere Sportlerinnen und Sportler attraktiv macht. Das widerspricht dem Klischee, wonach solche Wettkämpfe vor allem jüngere Zielgruppen ansprechen.
Auf Spitzenebene fallen die Bestzeiten rasant: Im Frühjahr 2026 lagen die Weltrekorde in der Pro-Division bei 51:59 Minuten (Alexander Rončević) und 54:25 Minuten (Joanna Wietrzyk).
Was sagt die Wissenschaft?
Da Hyrox ein vergleichsweise junges Format ist, ist auch die wissenschaftliche Forschung dazu noch überschaubar. Die erste wissenschaftliche Studie zu Hyrox stammt von Forschenden der Universität der Bundeswehr München (Brandt et al., 2025, Frontiers in Physiology). Sie untersuchten die akuten körperlichen Reaktionen und mögliche leistungsbestimmende Faktoren bei einem simulierten Wettkampf. Dafür absolvierten elf Freizeitsportler:innen mit Hyrox-Erfahrung ein Rennen nach den Regeln der Open-Division. Die mittlere Gesamtzeit lag bei 86,5 Minuten, davon entfielen rund 51,2 Minuten auf die Laufabschnitte und rund 32,8 Minuten auf die Workout-Stationen.
Die Belastung war über nahezu die gesamte Renndauer sehr hoch: Die Teilnehmenden verbrachten den größten Teil des Rennens im harten bis sehr harten Herzfrequenzbereich. Interessant ist zudem, dass die Stationen den Körper anders fordern als das Laufen: Dort lagen die Intensitäten signifikant höher, was auf einen höheren Energiebedarf pro Zeiteinheit hinweist. Hyrox beansprucht also sowohl aerobe als auch anaerobe Stoffwechselwege – ein Grund, warum reines Lauf- oder reines Krafttraining allein meist nicht ausreicht, um sich gut vorzubereiten.
Wissenschaftlich lässt sich Hyrox in die Kategorie des High-Intensity Functional Training (HIFT) einordnen, allerdings mit einer eigenen Ausprägung: Die Autor:innen beschreiben Hyrox als HIFT-Form mit Schwerpunkt auf der Ausdauer, die im Vergleich zu anderen HIFT-Formen eher moderate bis geringe Anforderungen an Maximalkraft, Koordination und Beweglichkeit stellt. Das erklärt auch, warum das Format für ein breites Publikum zugänglich ist – von Fitnessstudio-Mitgliedern bis zu ambitionierten Ausdauersportlerinnen und -sportlern.
Gleichzeitig mahnen die Autor:innen zur Vorsicht bei der Verallgemeinerung: Die Stichprobe war mit elf Personen klein und bestand ausschließlich aus erfahrenen Freizeitsportler:innen. Die Studie liefert wichtige erste Hinweise, erlaubt aber keine pauschale Prognose für jede Person. Insgesamt gilt: Die wissenschaftliche Basis zu Hyrox wächst, ist im Vergleich zu etablierten Sportarten wie Laufen oder Krafttraining aber noch jung.
Hyrox als Motor des Hybrid-Trainings
Hyrox lässt sich nicht isoliert betrachten, sondern ist Teil einer größeren Entwicklung in der Fitnessbranche: dem sogenannten Hybrid-Training, bei dem Kraft- und Ausdauertraining bewusst kombiniert statt getrennt betrieben werden. Der Hybrid-Trainingstrend hat unter Freizeitsportler:innen deutlich an Fahrt aufgenommen. Eine 2024 im Fachjournal Medicine erschienene Übersichtsarbeit (Wang & Bo) zeigt, dass sich der sogenannte Interferenzeffekt – also die gegenseitige Beeinträchtigung von Kraft- und Ausdauertraining – durch kluge Planung deutlich verringern lässt, etwa über Reihenfolge, Pausen und Trainingshäufigkeit.
Parallel bringt die Sportartikelindustrie immer mehr Hybrid-Trainingsprodukte auf den Markt.
Aus Sicht vieler Branchenbeobachter spiegelt der Erfolg von Hyrox einen Wertewandel in der Fitnessszene wider – weg von rein ästhetischen Zielen, hin zu messbarer Leistungsfähigkeit. Ein fester Wettkampftermin liefert vielen Trainierenden eine Struktur, die reines Training ohne konkretes Ziel oft vermissen lässt.
Für wen eignet sich Hyrox?
Ein zentrales Argument für das Format ist seine niedrige Einstiegshürde. Für die Open-Rennen braucht es keine Qualifikation und keine technisch komplexen Übungen – gefragt sind Bewegungsmuster wie Schieben, Ziehen, Tragen und Laufen, die sich mit regelmäßigem Training gut erlernen lassen. Gleichzeitig ist das Format körperlich anspruchsvoll und erfordert eine strukturierte Vorbereitung aus Lauftraining, Kraftausdauer und der Fähigkeit, mehrere Belastungsreize hintereinander zu bewältigen.
Die Belastung ist hoch: In der Münchner Studie lag die Herzfrequenz fast die gesamte Renndauer im harten bis sehr harten Bereich. Wer Vorerkrankungen hat oder länger nicht trainiert hat, sollte vor dem ersten Wettkampf ärztlich abklären lassen, ob die Belastung passt.
Fazit
Hyrox hat sich innerhalb weniger Jahre von einem Hamburger Nischenprojekt zu einem der am schnellsten wachsenden Fitness-Formate weltweit entwickelt. Die standardisierte Kombination aus Laufen und funktionellen Kraftstationen macht Leistungen weltweit vergleichbar und spricht Breiten- wie Spitzensportlerinnen und -sportler gleichermaßen an. Erste wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Hyrox vor allem eine ausdauerorientierte Form des funktionellen Trainings ist, die hohe kardiovaskuläre Anforderungen mit wiederholten Kraftbelastungen kombiniert. Ob sich der Hype langfristig hält, wird sich zeigen – die aktuellen Teilnehmerzahlen und die zunehmende Professionalisierung sprechen aber für mehr als eine kurzlebige Modeerscheinung.
Die Inhalte auf WikiFitness werden redaktionell erstellt und geprüft. Sie dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche, therapeutische oder ernährungsmedizinische Beratung. Trotz sorgfältiger Recherche können Angaben veraltet oder unvollständig sein. Wenn dir ein Fehler auffällt, freuen wir uns über einen Hinweis über unser Kontaktformular.
