Padel gehört zu den am schnellsten wachsenden Rückschlagsportarten der Welt und hat sich auch in Deutschland vom Geheimtipp zum Trendsport entwickelt. Die Mischung aus Tennis und Squash gilt als leicht erlernbar und gesellig. Wenn du zum ersten Mal auf einen Padelcourt gehst, fragst du dich aber vermutlich: Welche Regeln gelten, welche Ausrüstung brauche ich wirklich, und wie gelingt der Einstieg am besten?
Was ist Padel und woher kommt der Sport?
Padel ist eine eigenständige Rückschlagsportart, die Elemente aus Tennis und Squash kombiniert und in der Regel im Doppel gespielt wird. Seinen Ursprung hat der Sport in Mexiko: 1969 legte der Geschäftsmann Enrique Corcuera, ein begeisterter Tennisfan, den ersten Platz an. Über Kontakte nach Spanien, vor allem über den Marbella Club, verbreitete sich Padel zunächst in Spanien und Lateinamerika, bevor es in den vergangenen Jahren international einen regelrechten Boom erlebte.
Laut dem aktuellen Weltbericht der International Padel Federation (FIP) spielen weltweit mehr als 35 Millionen Menschen Padel, auf rund 77.300 Courts in 150 Ländern. Allein die Zahl der Plätze wuchs zuletzt um gut 15 Prozent pro Jahr. Dieses Wachstum hat längst auch große Sportartikelhersteller und prominente Investoren aus dem Profisport auf den Plan gerufen.
Der Padel-Boom in Deutschland
Auch hierzulande wächst die Beliebtheit spürbar. Laut FIP spielen in Deutschland inzwischen rund 350.000 Menschen Padel. Die Zahl der Plätze wächst rasant: Anfang 2023 gab es laut Deutschem Tennis Bund erst rund 130 Courts, inzwischen verzeichnet die Datenbank Padelfinder.de mehr als 2.000. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland trotzdem noch deutlich hinter den etablierten Padel-Nationen: Spanien kommt auf rund 17.300 Courts, Italien auf mehr als 10.000.
Regional ist das Angebot noch ungleich verteilt: Besonders dicht ist es in Großstädten wie Hamburg und in Nordrhein-Westfalen. In vielen Städten entstehen weiterhin neue Anlagen, und immer mehr Tennisclubs ergänzen ihr Angebot um Padelcourts, um neue Mitglieder zu gewinnen.
Die wichtigsten Regeln für den Einstieg
Ein großer Vorteil von Padel: Die Grundregeln verstehst du in wenigen Minuten, auch wenn das Spiel selbst taktisch anspruchsvoll werden kann. Gespielt wird zwei gegen zwei auf einem 20 × 10 Meter großen Court, der von 3 bis 4 Meter hohen Wänden aus Glas und Gitter umgeben ist. Ein Netz teilt das Feld in zwei Hälften.
Aufschlag
Der Aufschlag unterscheidet sich deutlich vom Tennis: Du schlägst den Ball von unten, und er darf beim Treffen höchstens auf Taillenhöhe sein. Vorher lässt du ihn einmal in deinem eigenen Feld aufspringen und spielst ihn dann diagonal ins gegnerische Aufschlagfeld.
Wandspiel
Die Wände sind fester Bestandteil des Spiels und sorgen für die typischen, oft langen Ballwechsel. Schlägst du den Ball ins gegnerische Feld, muss er dort zuerst auf dem Boden aufkommen, bevor er eine Wand berührt – sonst ist er aus. Kommt der Ball zu dir, darf er nach dem Aufspringen von deiner Rück- oder Seitenwand abprallen, solange er nicht ein zweites Mal den Boden berührt. Du darfst ihn sogar über deine eigene Glaswand zurückspielen.
Zählweise
Gezählt wird wie im Tennis: Innerhalb eines Spiels geht es über 15, 30 und 40. Einen Satz gewinnt das Team, das zuerst sechs Spiele mit mindestens zwei Spielen Vorsprung holt, bei Gleichstand entscheidet ein Tie-Break. Ein Match geht meist über zwei Gewinnsätze.
Die richtige Ausrüstung für den Einstieg
Für deine ersten Versuche brauchst du keine eigene Ausrüstung – die meisten Anlagen verleihen Schläger und Bälle. Hat dich das Padel-Fieber gepackt, lohnt sich eine eigene Grundausstattung: ein Padelschläger, passende Bälle und Schuhe mit gutem Halt.
Der Padelschläger
Padelschläger unterscheiden sich grundlegend von Tennisschlägern: Sie haben keine Saiten, sondern eine gelochte Schlagfläche aus Carbon- oder Glasfaser mit einem Kern aus Schaumstoff. Es gibt drei Grundformen – rund, tropfenförmig und diamantförmig –, die jeweils zu unterschiedlichen Spielstilen passen. Für den Einstieg ist die runde Form meist die beste Wahl: Ihr Sweet Spot ist größer, du triffst den Ball also leichter sauber und hast mehr Kontrolle. Außerdem eignen sich eher leichtere Modelle, die dein Handgelenk weniger belasten.
Bälle, Schuhe und weiteres Zubehör
Padelbälle sehen aus wie Tennisbälle, haben aber einen etwas geringeren Innendruck. Das macht das Spiel etwas langsamer und kontrollierter. Bei den Schuhen empfehlen sich spezielle Padel- oder Allcourt-Schuhe, deren Sohle auf schnelle Richtungswechsel auf Kunstrasen mit Sand ausgelegt ist. Sinnvolles Zubehör sind außerdem Griffbänder (Overgrips), ein Schweißband für das Handgelenk und ein Rahmenschutz für den Schläger.
Gesundheitliche Aspekte und Verletzungsrisiken
Padel gilt als einsteigerfreundlich, ist körperlich aber durchaus fordernd. Das Spiel ist geprägt von kurzen, intensiven Belastungen im Wechsel mit Pausen, von schnellen Antritten, abrupten Richtungswechseln und vielen Überkopfschlägen. Genau das macht den Sport effektiv – bringt aber auch ein gewisses Verletzungsrisiko mit sich.
Eine systematische Übersichtsarbeit (Dahmen et al., 2023) fand rund 3 Verletzungen pro 1.000 Trainingsstunden und 8 pro 1.000 Matches – bei allerdings noch begrenzter Studienlage. Am häufigsten betroffen war der Ellenbogen, gefolgt von Knie, Schulter und unterem Rücken; meist handelte es sich um Sehnen- oder Muskelverletzungen. Umso wichtiger sind ein durchdachter Einstieg, ausreichend Erholung und eine saubere Technik, die du dir am besten von qualifizierten Trainerinnen und Trainern zeigen lässt.
Erste Schritte: So gelingt dein Einstieg
- Schnupperstunde oder Platzmiete: Viele Padelanlagen bieten Einsteigerkurse oder eine erste Platzstunde inklusive Leihschläger an – ideal, um den Sport unverbindlich kennenzulernen.
- Passende Schuhe: Normale Laufschuhe sind für die schnellen Richtungswechsel auf dem Court nicht gemacht. Padel- oder Allcourt-Schuhe geben dir deutlich mehr Halt.
- Aufwärmen einplanen: Ein kurzes Aufwärmprogramm für Sprunggelenke, Knie, Schultern und Ellenbogen bereitet deinen Körper auf die typischen Belastungen vor.
- Regelmäßigkeit vor Intensität: Am Anfang bringt dich regelmäßiges, moderates Spielen weiter als seltene, sehr intensive Einheiten.
- Absprachen im Team: Da Padel im Doppel gespielt wird, lohnt es sich, von Anfang an mit deinem Partner oder deiner Partnerin zu klären, wer welche Bälle übernimmt.
Fazit
Padel verbindet spielerische Einfachheit mit taktischer Tiefe und einem starken sozialen Charakter. Die Grundregeln – Aufschlag von unten, Spiel mit den Wänden und die Zählweise aus dem Tennis – verstehst du schnell, und die Grundausstattung bleibt überschaubar. Der anhaltende Boom in Deutschland und weltweit zeigt, dass Padel längst mehr ist als eine Nischensportart. Mit einem behutsamen Einstieg, passender Ausrüstung und ausreichend Erholung beugst du Verletzungen vor und hast lange Freude am Spiel.
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